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Von: Bernhard Dietrich, Mittwoch, 02.05.2012

Eröffnung des Zentrums für Kirchenraumpädagogik

Am 1. Mai wurde das Zentrum von Propst Wöllenstein und Besucherpfarrerin Dr. Müller eröffnet. Am traditionnellen Kirchweihtag der Elisabethkirche hatten bei strahlenndem Maiwetter ca 70 Menschen sich einladen lassen mit 8 Kirchenführern und Kirchenführerinnen Elemente der Kirchenraumpädagogik auszuprobieren.

Marburg. Kirchenraumpädagogik, der Begriff sei ja zugegebenermaßen etwas sperrig, sagte Besucherpfarrerin Dr. Anna Karena Müller, als sie die ca. 70 Besucher der Eröffnungsfeier in der Elisabethkirche begrüßte. Aber das Anliegen, das sich damit verbinde, sei eigentlich ganz einfach: "Die Menschen sollen angeregt werden, den Kirchenraum zu erleben." Es gehe dabei darum, den Raum nicht allein mit dem Verstand, sondern mit dem Körper und mit dem Gefühl wahrzunehmen.

Im Grunde sei das aber alles nichts grundlegend Neues, denn Kirchenführungen gebe es an der Elisabethkirche dank hochengagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schon sehr lange, in denen Elemente des ganzheitlichen Raumerlebens eine Rolle spielten. Mit dem neuen Namen für diese Arbeit und mit der Eröffnung des Zentrums für Kirchenraumpädagogik solle aber das Augenmerk mehr auf das gelenkt werden, mit dem heutige Menschen einen Kirchenraum beträten und was sie mitbrächten: ersteinmal sich selbst, das, wie es ihnen gerade gehe, ihre Erfahrungen mit solchen Räumen oder mit Kirche überhaupt oder die Erinnerungen an die Begegnung mit der allerersten Kirche, die sie kennengelernt hätten. Mit ihren verschiedenen Elementen sei die Kirchenraumpädagogik der Versuch, den Besucher mit dem was er mitbringe und den Kirchenraum in ein Gespräch zu bringen und Erfahrungen eines "anderen Raumerlebens" zur ermöglichen.

Propst Hellmut Wöllenstein ging in seinem Grußwort auf die gestiegene Bedeutung eines Kirchenbesuches für viele Menschen bei ihren Reisen ein. Er schätze, sagte er, dass die Zahl der Kirchenbesucher anders als die Zahl der Gottesdienstbesucher nicht ab sondern zugenommen habe in den letzten Jahren. Wie man Marburg nicht besuchen könne ohne die Elisabethkirche anzuschauen, so würden überall im Land viele offene Kirchen Menschen anziehen und zum Besuch einladen. Bei diesen Besuchen geschehe dann lange bevor "wir" mit Kirchenraumpädagogischen Konzepten etwas zu vermitteln suchten mit den Menchen etwas durch die Raumbegegnung. Etwas, das man letztlich nicht machen oder lehren könne. Darum sei vielleicht gute Kirchenraumpädagogik da anzutreffen, wo die Frage offengehalten werde nach der Begegnung mit dem "Nichtmachbaren", dem Heiligen, das durch die Kirchenräume sprechen wolle.

Im Anschluss an die Eröffnung waren Ewachsene wie Kinder eingeladen, die Kirche in acht Gruppen auf neue Weise kennenzulernen und Raumerfahrungen zu machen. Zur Gruppenaufteilung hatte man sich schon am Eingang einen farbigen Punkt geben lassen. Für 20 Minuten verteilten sich darauf hin die Besucher, malten eigene Kirchenfenster aus, ermittelten die Schönheit und die Harmonie des Raumes, suchten mit Postkarten Details auf, schauten "durch die Röhre" um ungewöhnliche Blickwinkel zu erkunden, pausten mit Wachmalstiften Mosaikfußbodensterne oder Eisenbeschläge an den Truhen in der Sakristei ab, und und und ...

Zum Ende führten Orgelklänge die Entdecker wieder zusammen. Und mit dem Kanon "Ausgang und Eingang, Anfang und Ende, liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände" ging man bereichert um einige Kirchenraumerfahrungen wieder auseinander.

Bildergalerie von der Eröffnung des Zentrums für Kirchenraumpädagogik