Ausgabe Nr. 3: Winter 2014 / 2015

Liebe Leserin, lieber Leser

Christi Geburt. Elisabethfenster Marburg. Foto: Bernhard Dietrich

„Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird“. Lk 2,14

Gott wird Mensch. In einem Kind kommt er in unsere Welt, will uns nah sein, uns begleiten auf guten und schweren Wegen, will Freude am Leben in uns erwecken.

Mit dem Bild von der Geburt Jesu aus dem Elisabethfenster unserer Kirche wollen wir Sie auf diesen Elisabethbrief für die kommende Advents- und Weihnachtszeit einstimmen, die bis in den Februar reicht.

Wie Maria und Joseph sich mit ihrem Kind auf die Flucht begeben müssen, um vor Gewalt und Terror zu fliehen, so geht es heute vielen Menschen. Wie wir einer Familie mit einem Kirchenasyl in unserer Gemeinde dank eines großen Unterstützerkreises ein wenig helfen konnten, wollen wir Ihnen in dieser Ausgabe unter anderem erzählen.

Viel Spaß beim Lesen
und herzliche Grüße,
Ihr Team Öffentlichkeitsarbeit

Elisabethgemeinde gewährte Kirchenasyl

Elisabetkirche mit aufsteigenden Seifenblasen während des Elisabethsozialmarktes. Foto: Bernhard Dietrich

Die Gemeinde der Elisabethkirche in Marburg gewährte einer geflüchteten Familie in den letzten beiden Monaten Kirchenasyl. Es handelt sich um eine Mutter mit vier Kindern. Der Ehemann und Vater war zuvor in einem anderen EU-Mitgliedstaat verhaftet und abgeschoben worden. Die Mutter konnte mit ihren Kindern weiter nach Deutschland fliehen. Das Kirchenasyl (nach dem Vertrag von Dublin) bot ihr die Chance auf ein Verfahren in der Bundesrepublik.

Die sogenannte Dublin III Verordnung der EU bestimmt, dass der Mitgliedstaat, in dem die asylsuchende Person zuerst ankommt, für das Asylverfahren zuständig ist. Das sind in der Regel die Länder an den Außengrenzen (z.B. Griechenland, Italien, Malta). Es gibt bestimmte Fristen, innerhalb derer Asylsuchende z.B. aus der BRD in den zuständigen Mitgliedstaat abgeschoben werden können. Dank des Kirchenasyls konnte die Familie diese Fristen sicher überstehen.

„Asylsuchende Menschen werden so massiv in ihrer Bewegungsfreiheit und ihrem Selbstbestimmungsrecht eingeschränkt, während die deutschen Behörden viele Asylanträge gar nicht mehr zu prüfen brauchen.“ sagt Julia F. aus dem Koordinierungskreis. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass gerade in den Ländern der Außengrenzen das Asylsystem (noch) nicht funktioniert: Weder gibt es entsprechende Unterbringungsmöglichkeiten, noch Sozialsysteme (öffentliche Leistungen zum Lebensunterhalt, Sicherstellung der medizinischen Versorgung), die aber für Asylsuchende ohne verwandtschaftliche Beziehungen überlebensnotwendig sind.

Obwohl die Europäische Union sich zum Ziel gesetzt hat, das Asylverfahren in allen Mitgliedstaaten zu harmonisieren, kann es passieren, dass ein Mensch z.B. aus Somalia in Deutschland Asyl erhält, in den Niederlanden aber nicht.

Die Kirchengemeinde der Elisabetkirche konnte das Asyl nur durchführen, weil sich Menschen fanden, die bereit waren, sich zu engagieren. Sie trafen sich wöchentlich in einem Koordinierungskreis, der sich um die Wohnung, Ausstattung und die systematische Betreuung der Familie kümmerte. Ohne diesen großen Unterstützerkreis von Gemeindemitgliedern, Studierenden, Nachbarge­mein­­­den, Nachbarn sowie die eingegangenen Spenden wäre dieses Kirchenasyl nicht möglich gewesen.

Der Kirchenvorstand der Elisabethkirche dankt allen Beteiligten für ihr großes Engagement. Er hofft, dass nun die Flüchtlingsfamilie nach Abschluß des Asylverfahrens ein dauerhaftes Bleiberecht erhält.

Feiern

Feiern ist Luxus und Luxus ist etwas sehr Schönes. Es gibt die Kargheit des Notwendigen und es gibt die Überschwänglichkeit angesichts der Freude. Beides hat seinen Platz in unserem Leben. Und in der Kirche.

Das weiße Antependium könnte Ostern kommen, wenn sich genügend Spender und UnterstützerInnen finden ...

Beim Luxus denke ich an unsere neuen Antependien. Die Spendenbereitschaft von Vielen ermöglicht jetzt die Bestellung eines neuen Antependium in der Farbe Violett für die Fastenzeit und die Adventszeit. Und es ist schon ein kleiner Überschuss da für das nächste Antependium in der Farbe Weiß für Ostern und Christi Himmelfahrt sowie die Weihnachtsfesttage… Wollen Sie weiter dazu helfen?

Hier gibt es eine ausführliche Erklärung zu den geplanten Antependien mit Aussagen der Künstlerin Margarethe Keith, die die Entwürfe gemacht hat und die Ausführung durch die Werkstadt des Darmstädter Elisabethstiftes betreut: Information zu den Entwürfen der Antependien

Beim Luxus denke ich auch an ‚kleine‘ Gottesdienstformen. Etwas unscheinbar und nicht immer stark besucht ist unsere Abendandacht zum Wochenschluß, jeweils um 18.00 Uhr am Samstag. Gefeiert wird im Hohen Chor, Orgelmusik und Lieder, eine kleine Ansprache und eine gemeinsame Stille prägen diese Andacht. Bedingt durch Mehrbelastungen und Einsparnotwendigkeiten ist die Andacht in diesen Wintermonaten auf den ‚Prüfstand‘ gekommen: Welchen ‚Wert‘ und welche Bedeutung hat diese Andacht für unsere Gemeinde? Gibt es vielleicht genug andere gottesdienstliche Angebote und ist die Zeit am Samstag Abend nur für wenige passend? Oder sollten wir andererseits nicht dafür werben und diese Andacht mehr bekannt machen als schönen Ausklang der Woche und guten Beginn der Feier des Sonntags?  Fehlen uns vielleicht solche rituellen Zeiten, in denen wir das Feiern lernen können als gegenläufige Bewegung gegen Zeitmangel und Erfüllen von Aufgaben. In die Entspanntheit des Abends hineingehen, in der Freude, dass alle Arbeit und Geschäftigkeit, alle Lautheit zur Ruhe kommen kann.

Schöne Worte, wird manche/r vielleicht denken, aber auch praktikabel?

Mit der Fastenzeit im kommenden Jahr wird die Andacht zunächst in der Form des ‚Fastentees‘ wieder da sein. Nach Ostern sollte dann klar sein, ob und wie diese Andacht weitergeführt werden kann.

Ein vom Kirchenvorstand eingesetzter Ausschuss wird diese Frage beantworten. Dabei wäre es schön, wenn Sie, die Leserin und der Leser uns schreiben würden. Vielleicht werden Sie diese Andacht ja neu entdecken für sich und sie mögen. „Ein gelassener, unspektakulärer Wochenausklang, der mir die Sinne wieder weitet“, so wertete ein Besucher die Wichtigkeit dieses Termins für sich.

Als wir jetzt an einem November-Samstag um diese Zeit an der geschlossenen Kirche vorbeigingen, empfanden wir plötzlich, dass etwas fehlte. Eine solche Zeit, mit dem Beginn durch das Glockengeläut, ist ja nicht nur für die anwesenden Besucher wichtig. Auch für die draußen, die wissen: jetzt ist Gebet, ist dies ein Beteiligtsein, ist dies ein gutes Wissen. Es ist wie ein gewärmtes Zimmer, von dem ich weiß, ich kann hineingehen, wenn ich diese Wärme brauche.

Nils Kuppe 10 Jahre Kirchenmusiker an der Elisabethkirche

Nils Kuppe. Seit 10 Jahren Kantor an der Elisabethkirche und mit dem Kirchenkreiskantorat versehen. Foto: Bernhard Dietrich

Vor zehn Jahren kam Nils Kuppe zu uns nach Marburg. Aufgewachsen auf einer Hallig, studierte er Kirchenmusik  in Lübeck.  Über Bremen, seiner ersten Station als Kantor, kam er im Februar 2005 nach Marburg, wo er als Bezirkskantor  für den Kirchenkreis Marburg und als Kantor und Organist an der Elisabethkirche tätig ist. Seiher hat er in vielen Gottesdiensten und Konzerten sein Können als Chorleiter und Organist, aber auch als Orgel- und Chorlehrer eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Herr Kuppe, worin liegt der Reiz, aber auch die Herausforderung die für Arbeit des Kirchenmusikers an der Elisabethkirche?

Ich freue mich immer wieder, dass ich in dieser einmaligen Kirche Musik machen darf. Ein besonderer Reiz und zugleich die größte Herausforderung: Die Elisabethkirche zieht die unterschiedlichsten Menschen an, die sehr unterschiedliche Erwartungen mitbringen, vom Chorsänger über die Orgelspezialistin bis hin zum „verirrten“ Weihnachtsmarktbesucher, den es eher zufällig in die Kirche gezogen hat. Möglichst vielen dieser Menschen gerecht zu werden, ist sicher die größte Herausforderung.

Wenn Sie zurückblicken, was ist Ihnen in diesen zehn Jahren besonders bemerkenswert gewesen?

An erster Stelle ist da meine Familie zu nennen, meine Frau, die ich in der Elisabethkirche kennenlernte, und unsere drei Kinder, die in diesen Jahren geboren wurden. Von den vielen musikalischen Höhepunkten möchte ich keinen besonders hervorheben, da waren viele sehr unterschiedliche dabei. Drei Dinge erscheinen mir erwähnenswert: Im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Sängerinnen und Sänger gefunden, die die Kantorei der Elisabethkirche inzwischen zum größten Marburger Chor machen. Auch der Marburger Kinderchor ist auf über 60 Kinder in drei Gruppen angewachsen. Als zweites den Orgelneubau. So etwas mitzuerleben ist für einen Kirchenmusiker ein seltenes Erlebnis. Drittens habe ich das Gefühl, die Musik an der Elisabethkirche hat inzwischen ihren festen Platz im Marburger Kulturleben gefunden und ist „eine gute Adresse“.

Was erwarten Sie in Zukunft für ihre weitere Arbeit in Marburg?

Ich erhoffe mir weiterhin ein reiches musikalisches Leben in der Elisabethkirche und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen. Im neu formierten größeren Kirchenkreis Marburg wird der Spagat zwischen meiner Tätigkeit an der Elisabethkirche und im Kirchenkreis sicher nicht einfacher werden, aber ich hoffe, dass sich auch in diesem Bereich neue Möglichkeiten ergeben werden.

Gottesdienste in der Ortenbergkapelle und im Missionshaus

Die frisch renovierte Ortenbergkapelle wird z.Z. von der ESG mitgenutzt., da deren Domizil, das Hans von Soden Haus, derzeit umgebaut wird. Foto Bernhard Dietrich

Nach einem längeren Prozess der Beratung in den vergangenen Jahren und jetzt bei 3 Gemeindeversammlungen hat der Kirchenvorstand der Elisabethgemeinde beschlossen, die Gemeindebezirke von 3 auf 2,5 zu verändern - davon mehr im Detail im nächsten Elisabethbrief - und den Rhythmus der Gottesdienste in der Ortenbergkapelle und im Missionshaus auf etwa 14-tägig umzustellen.

Damit reagiert der Kirchenvorstand auf Veränderungen in der Ausstattung mit Pfarrstellen. Denn seitdem Pfr. Hartmann mit halber Stelle die Leitung des Gesamtverbandes übernommen hat, stehen für die Gemeindearbeit nur noch 2,5 Pfarrstellen zur Verfügung.

Da die Feiertage und die Besonderheiten des Kirchenjahres berücksichtigt werden sollen, wird ein strikter 14-tägiger Rhythmus nicht durchzuhalten sein. Deshalb bedarf es der Achtsamkeit und des Blickes in den Gottesdienstkalender in KiM und hier auf der Webseite der Gemeinde..

Besondere Termine und Veranstaltungen

Neben den regelmäßigen Veranstaltungshinweisen in der ökumenischen Zeitung KiM und hier auf unserer Webseite: www.Elisabethkirche.de möchten wir Ihnen hier einige besondere Veranstaltungen nahebringen:

Führungen

  • Sonntags nach dem Gottesdienst, an den Weihnachtsfeiertagen und Neujahr 01.01.2015 um 15.00 Uhr

Orgelführung

  • am Samstag, dem 10.1. um 12 Uhr und Samstag, 7.2. um 12 Uhr
    (Eintritt 3,50 €)

Dachstuhlführungen

  • am Samstag, dem 10.01. + 17.01.sowie am 14.02. + 21.02. jeweils um 10 Uhr. Teilnehmen können Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahre. (Eintritt: 3,50 €) Bitte in der Küsterstube, Tel. 65573, anmelden.

Sonderführungen

  • Barlach-Kruzifix am 15.2. um 15 Uhr

Kirchenmusik

  • Sa. 06.12. 18.00 Uhr  Johann  Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium Kantaten 1-3 und 5. Brandenburgisches Konzert
  • So. 07.12 15.00 Uhr   Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium Kantaten 1-3 und 5. Brandenburgisches Konzert
  • So. 07.12 18.00 Uhr  Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium Kantaten 4-6
  • Sa. 13.12 18.00 Uhr Bläsermusik im Kerzenschein. Mit dem Posaunenchor der Elisabethkirche und dem Posaunenchor der St.-Michaels-Gemeinde Kassel
  • Sa. 20.12. 18.00 Uhr Adventsliedersingen. Gemeinsames Singen mit allen musikalischen Gruppen der Elisabethkirche
  • Mi. 31. Dez. 22.00 Uhr Silvesterkonzert. Ein musikalisches Feuerwerk auf der Orgel mit Werken von Bach, Elgar u.a. Orgel: Nils Kuppe

Gottesdienste

  • 14.12. 18 Uhr Meditativer Gottesdienst
  • 28.12. 10 Uhr Musikalischer Gottesdienst mit „Wunschlieder Singen“
  • 31.12. 18 Uhr Beichtgottesdienst am Altjahresabend
  • 31.12. 23 Uhr Michelchen: „Besinnlich der Jahreswende entgegen“
  • 01.01. 17 Uhr Neujahrsgottesdienst
  • 25.01. 10 Uhr Gottesdienst zum Moretelesonntag mit anschließendem Kirchencafé
  • 15.02. 10 Uhr Gottesdienst mit anschließendem Kirchencafé
  • 21.2. / 28.2./ 7.3./ 14.3./ 28.3.: 18 Uhr Fastentee zum Wochenschluss

Wir freuen uns über Ihre Spende für unsere Gemeinde

Spenden Sie zum Beispiel für die in diesem Elisabethbrief erwähnten Projekte:

  • Neue Antependien Elisabethkirche (Violettes und Weißes Kanzel- und Altarantependeium)
  • Asyl und Flüchtlingshilfe der Gemeinde und im Gesamtverband
  • Lebensmittelhilfe für Bedürftige in der Gemeinde
  • Zukunft der Ortenbergkapelle
  • Öffentlichkeitsarbeit: Webseite

Spendenkonto der:

Elisabethgemeinde im Gesamtverband ev. Kirchengemeinden Marburgs
IBAN:     DE81 5206 0410 0002 8001 01
BIC:     GENODEF1EK1
Verwendungszweck: Elisabethgemeinde - Projekt   _________________________

Hinweis:

Wenn Sie bei Ihrer Spende in der Küsterstube der Elisabethkirche oder bei Ihrer Überweisung Ihren Namen und Ihre Anschrift angeben, können wir Ihnen gerne eine Spendenquittung zusenden.